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Forschung im SeLFI-Lab

Forschung im SeLFI-Lab

Im SeLFI-Lab widmen wir uns der Frage, wie Lernen gelingt – und wie Schule dazu beitragen kann, dass Schülerinnen und Schüler nicht nur fachlich, sondern auch persönlich wachsen. Unsere Forschung umfasst drei zentrale Schwerpunkte:

  • Selbstreguliertes Lernen (SRL): Wir untersuchen, wie Schülerinnen und Schüler lernen, ihr Lernen eigenständig zu planen, zu überwachen und zu reflektieren – und welche Rolle Lehrkräfte dabei spielen.
  • Professionalisierung von Lehrkräften: Ein besonderer Fokus liegt auf der Frage, wie Lehrkräfte über Selbstregulation lernen und wie professionelle Kompetenzen von Lehrkräften (Wissen, Überzeugungen, Selbstwirksamkeit) die Förderung von SRL im Unterricht beeinflussen.
  • Psychische Gesundheit von Schülerinnen und Schülern: Lernen und Wohlbefinden gehören untrennbar zusammen. Wir erforschen, wie Unterrichts- und Schulbedingungen dazu beitragen können, Belastungen zu reduzieren, Motivation und Resilienz zu stärken und die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen nachhaltig zu fördern.
  • Systematic Reviews und Meta-Analysen: Um den Stand der Forschung umfassend zusammenzuführen, führen wir systematische Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen durch. So identifizieren wir wirksame Interventionen, bewerten die Qualität bisheriger Studien und leiten evidenzbasierte Empfehlungen für Forschung, Praxis und Bildungspolitik ab.

Unser Ziel ist es, Brücken zwischen Wissenschaft und Praxis zu bauen – mit Forschung, die sowohl international anschlussfähig ist als auch konkrete Impulse für die Weiterentwicklung von Unterricht und Lehrerbildung bietet.


Forschungsprojekte der DFG-geförderten Emmy Noether-Gruppe

Damit Lernen nachhaltig gelingt, reicht es nicht aus, nur neues Wissen zu vermitteln – manchmal müssen alte Vorstellungen erst verändert werden. In der Forschung spricht man hierbei von Conceptual Change: dem Prozess, bei dem Menschen ihre bisherigen Annahmen durch wissenschaftlich fundierte Konzepte ersetzen.

Auch Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler haben häufig Präkonzepte darüber, wie Lernen funktioniert – etwa die Vorstellung, dass reines Auswendiglernen am effektivsten sei. Solche Vorstellungen können der Entwicklung von selbstreguliertem Lernen oder förderlichem Unterricht im Weg stehen.

In unseren Projekten setzen wir deshalb auf erklärende Lernvideos, die gezielt an die bestehenden Präkonzepte der Teilnehmenden anknüpfen. Indem diese Vorstellungen aufgegriffen, hinterfragt und in Beziehung zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen gesetzt werden, entsteht ein nachhaltiger Lernprozess: Altes Wissen wird nicht nur ergänzt, sondern aktiv durch wirksamere Konzepte ersetzt.

So tragen wir dazu bei, dass Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler ihre Sicht auf Lernen weiterentwickeln – hin zu einer wissenschaftlich fundierten, reflektierten und wirksamen Perspektive.


Wissenschaftliche Begleitforschung zum Startchancen-Programm

Im SelfiLab sind wir Teil der wissenschaftlichen Begleitforschung zum Startchancen-Programm im Forschungsverbund CHANCEN. Im Rahmen des interdisziplinären Kompetenzzentrum Überfachliches Lernen und Berufsorientierung widmen wir uns der zentralen Frage: Wie kann selbstreguliertes Lernen wirksam gefördert werden – für alle Kinder und besonders für jene mit Bildungsrisiken?

Dazu analysieren wir systematisch bestehende Förderansätze aus der Bildungsforschung. Mithilfe wissenschaftlicher Reviews und Meta-Analysen ermitteln wir,

  • welche Programme nachweislich funktionieren,
  • für wen sie besonders wirksam sind,
  • und unter welchen Bedingungen sie in der Praxis gelingen.

Ein besonderer Fokus liegt auf Ansätzen, die auch unter schwierigen Lernbedingungen Wirkung zeigen. In enger Zusammenarbeit mit den Bildungsakteurinnen und -akteuren der Bundesländer wollen wir eine Brücke schlagen zwischen Forschung und schulischer Praxis.

Damit die gewonnenen Erkenntnisse unmittelbar in Schulen und Fortbildungen einfließen können, bereiten wir sie in sogenannten Praxis-Sheets auf. Diese fassen die wichtigsten Ergebnisse der Meta-Analysen kompakt und verständlich für die pädagogische Praxis zusammen.

Darauf aufbauend entwickeln wir evidenzbasierte Materialien und Qualifizierungskonzepte, die je nach Bedarf flexibel von den einzelnen Bundesländern eingesetzt werden können. Auch eine App zur Unterstützung von Lehrkräften ist in Vorbereitung.


Kompetenzzentrum Schulpsychologie Hessen

Neben der Leitung des SeLFI-Labs übernimmt Charlotte Dignath auch die wissenschaftliche Leitung des Kompetenzzentrums Schulpsychologie (KSH), gemeinsam mit Dr. Stephan Jeck vom HMKB, der das KSH operativ leitet. Dadurch fließen zentrale Fragestellungen und Impulse aus der schulpsychologischen Praxis direkt in unsere Forschungsarbeit ein.

Das KSH wird als Kooperationsprojekt gemeinsam von der Goethe Universität und dem Hessischen Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen finanziert und wurde zum Januar 2025 verstetigt.

Das KSH verfolgt das Ziel, den Dialog zwischen schulpsychologischer Praxis und wissenschaftlicher Forschung zu stärken – durch die Bearbeitung praxisrelevanter Themenfelder wie:

  • Transfer aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse in die schulische Praxis – und umgekehrt
  • Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen zur Qualifizierung und Professionalisierung von Schulpsychologinnen und Schulpsychologen
  • Entwicklung, Evaluation und Qualitätssicherung schulpsychologischer Projekte, Methoden sowie Präventions- und Interventionsprogramme

Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Förderung der psychischen Gesundheit von Schülerinnen und Schülern und der Förderung von Selbstregulationskompetenz. Emotionale Selbstregulation, auch Emotionsregulation, spielt im Kontext psychischer Gesundheit eine wichtige Rolle und bedeutet, emotionale Reaktionen gezielt in ihrer Intensität, Häufigkeit und Dauer zu steuern, um das eigene Erleben und Verhalten beim Lernen zu unterstützen. Sie ist ein wesentlicher Faktor für schulischen Erfolg und das Wohlbefinden von Kindern.

Ein zentraler Ansatz unserer Arbeit ist es, Lehrkräfte sowie Schulpsychologinnen und Schulpsychologen als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren einzubeziehen. Sie tragen entscheidend dazu bei, wissenschaftlich fundierte Maßnahmen in die schulische Praxis zu übertragen – und so nachhaltige Entwicklungen im Lernen und in der emotionalen Entwicklung von Schülerinnen und Schülern zu fördern.


Metaanalysen + Systematic Reviews

Um belastbare Erkenntnisse zur Wirksamkeit verschiedener Interventionen zur Förderung von Selbstregulation und psychischer Gesundheit zu gewinnen, führen wir im SeLFI-Lab mehrere Meta-Analysen durch.

Wirksamkeit von Selbstregulationstrainings bei Schülerinnen und Schülern

Eine dieser Meta-Analysen ist im Startchancen-Projekt verortetund untersucht die Effektivität von Selbstregulationsinterventionen bei Schülerinnen und Schülern im Allgemeinen. Auf Basis von rund 70 Einzelstudien wird analysiert, welche Merkmale Förderung besonders zur Effektivität beigetragen haben.

Wirksamkeit von Selbstregulationstrainings bei Schülerinnen und Schülern mit Lernschwierigkeiten

Um gezielt herauszufinden, welche Wirkung Selbstregulationstraining gezielt bei Schülerinnen und Schülern mit Lernschwierigkeiten entfalten, analysierenwir zusätzlichca. 70 weitere Einzelstudien. Mit diesem vertieften Blick auf diese besonders förderbedürftige Gruppe möchten wir dazu beitragen, dass Unterstützungsmaßnahmen wirksam und passgenau gestaltet werden können. 

Selbstregulationstrainings bei Schülerinnen und Schülern mit Aufmerksamkeitsschwierigkeiten

Aufmerksamkeitsschwierigkeiten stellen ebenfalls eine zentrale Herausforderung  im schulischen Kontext dar. Mithilfe einer Metaanalyse, die gezielt Schülerinnen und Schüler mit entsprechenden Schwierigkeiten in den Fokus nimmt, wollen wir fundierte  Aussagen über die Wirksamkeit verschiedener Interventionen und ihrer Bestandteile ermöglichen. 

Ein weiterer Forschungsstrang ist im Projekt INCLASS am DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation verortet. Er beschäftigt sich mit den professionellen Kompetenzen von Lehrkräften im Umgang mit Kindern im Autismus-Spektrum. Hierzu erstellen wir ein systematisches Review, das einen umfassenden Überblick über vorhandene diagnostische und evaluative Instrumente bietet.

Wir freuen uns über Ihr Interesse!

Nehmen Sie gerne Kontakt zu uns auf, wenn Sie Fragen zum Projekt oder Anregungen für unsere Forschung haben.

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